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Drei Doppelpacks und ein Todesfall

18. November 2008 · Fränck von Schleck · 1 Kommentar ·

Rostock – Koblenz 9:0. Koblenz – Kaiserslautern 5:0. Ein zweistelliger Kantersieg für die sympathischen Schwemmländer war also ausgemachte Sache in den Augen aller halbwegs mathematisch Versierten, die sich am gestrigen Abend ins Fritz-Walter-Stadion aufmachten. Ein Kantersieg immerhin wurde es dann auch.

Für das “Unternehmen 14:0″, dem generalstabsmäßig geplanten Fanal zum Aufschwung des DDR-Fußballs, wurde auf Hansa-Seite ein Mann auf die Trainerbank beordert, der allein nominell eine Unmenge Ostalgie verkörpert: Juri Schlünz – diese Silben atmen gleichermaßen VEB und Kalten Krieg, Leunawerke und Sputnik. Dazu passt, dass der Sigmund Jähn des NOFV-Fußballs seit nunmehr 83 Jahren auf der schlingernden Hansa-Kogge mitpaddelt, sich also – so könnte man schlussfolgern – bei allen wichtigen innerdeutschen Ereignissen des 20. Jahrhunderts auf dem Trainingsgelände der Mecklenburger befand. Nach unbefriedigenden Ergebnissen in den letzten Wochen sollte der Befreiungsschlag für die Rostocker auf dem Betzenberg erfolgen.

Nur der FCK hatte irgendwie was dagegen. Die Hanseaten machten es den Lauterern aber auch nicht sonderlich schwer, so als ob sie alle guten Vorsätze am Fuße dieses imposanten Fußballberges (Höhe: 285 m) gelassen hätten. Statt Auferstehung nur Ruinen. Äußerst gelungen dagegen die Slapstick-Einlage dreier Rostocker beim zweiten Treffer von Lakic kurz vor der Pause. Nach der Pause wurde das Spiel dann auch seinem Austragungsort gerecht. Platzverweis, verschossener Elfmeter auf Seiten der Gäste, vier weitere Tore für den wunderschönen FCK – so war das doch früher eigentlich immer auf dem Betzenberg. Und so ist es nun wieder.

Zur Einordnung dieses historischen Triumphes wurde dann noch flugs die ran-Datenbank angezapft. Resultat: Letzer Heimsieg ähnlicher Größenordnung im Jahr 2000 gegen den SSV Ulm (6:2). Nach Jahren rot-weißer Grütze wird nun wieder Feinkost aufgetischt an dieser denkwürdigen Stätte.

Da machte es auch nichts, dass die zweite Garnitur des Premiere-Stabs erneut ein Zeugnis der bittersten Armut ablegte. Gipfel der Peinlichkeit war eine Halbzeit-Schalte zum neuen Duisburg-Trainer Peter Neururer. Was der mit der gestrigen Paarung zu tun hatte? Nicht fragen.

Auch wurde das Spiel vom Kommentator zum Duell der Altmeister gemacht und im gleichen Atemzug noch einmal Wehmut nach friedlicher Koexistenz der DDR und BRD heraufbeschworen. Es trafen ja schließlich, so suhlte sich der Mikro-Hool in der wehrlosen Sporthistorie, die letzten Champions des geteilten Fußballlandes aufeinander. 1991 hatten Rostock und Klautern beide ihr Meisterstück abgeliefert. Wen das gestern abend interessierte? Einzig den faktenheischenden Premierista.

Zum Aufstiegsendspiel gegen den SC Freiburg (24. Mai, 14 Uhr) wird dann der Lautern-Ultra im Kommentatorenpelz, Marcel Reif, aktiviert. Damit auch auf der Pressetribüne endlich wieder Erstklassigkeit Einzug hält. Stellen Sie sich schon mal den Wecker, liebe Leser!

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Kategorie: Bundesligen

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