Hast Du Töne (IV)

In unserer populären Musik-Rubrik wagen wir uns heute zum ersten Mal an ein Vereinslied. Bei diesem sehr beliebten Genre geht es vor allem um Eingängigkeit. Denn Otto Normalfan will nicht überfordert werden. Nur so jedenfalls können die Liedermacher aus den siebziger Jahren gedacht haben, als sie die tollen Clubhymnen ins Vinyl frästen, von denen wir an dieser Stelle ein besonders gelungenes Exemplar vorführen wollen. Dabei wagen wir uns an ein siechendes Fossil der deutschen Fußballgeschichte, den 1. FC Saarbrücken.

Der FCS, immerhin Bundesliga-Gründungsmitglied und Ex-Verein weltberühmter Spieler wie Andreas Brehme, Anthony Yeboah und Aimen Demai, ist nach einem beispiellosen Abschwung in den letzten Jahren zu Beginn dieser Spielzeit in Liga 5 angekommen. Wo sich im Übrigen auch die anderen Urgesteine der Region tummeln: Die Saar-Rivalen FC 08 Homburg und Borussia Neunkirchen (ehemals Stefan Kuntz, Jay-Jay Okocha) und auch der pfälzische Traditionsverein FK Pirmasens.

Aber widmen wir uns dem musikalischen Teil. Es war in der Einleitung von Eingängigkeit die Rede. Diese weist in hohem Maße und auf verschiedenen Ebenen auch das FCS-Lied auf. Zu den Stilelementen, die keinesfalls fehlen dürfen, gehört zunächst ein Trommelwirbel oder eine ähnlich geartete Perkussionseinlage. Damit geht es auch direkt los.

Auch Fangesänge müssen natürlich musikalisch verwurstet werden. Das ist bei „Fußball ist unser Leben“ so, der Stilikone des Genres und der Zeit, und auch beim „F – F – F – C – S.“ Doch dieser Choral ist kaum verklungen, da geht es schon munter weiter mit den authentischen Anleihen aus dem weiten Rund. Eingespielter Torjubel ist ebenso unerlässlich für den Erfolg eines echten Vereinslieds wie eine Trompetenfanfare. Beides noch in den ersten 15 Sekunden des Songs zu bestaunen.

Dann geht es munter in den Text hinein – und auch hier bleibt kein Auge trocken. Dem gemeinen Schlachtenbummler gleichsam auf den Leib geschneidert sind die nun folgenden Reime. Wichtig: Die Erwähnung der eigenen Trikotfarben (falls der intoxikierte Anhang diese vergessen sollte). Wichtig auch: Treueschwüre („Treu und fest… niemals untergehn… kein Weg zu weit!“). Nach der ersten Strophe und dem Refrain kommt die Bridge zum Zuge. Lustige Rufe wie „Heja-he“ und „heja-ho“ gehören – wie jeder Schlagerlaie weiß – zum Fußball-Song der Siebziger wie Dieter Thomas Heck zur ZDF-Hitparade.

Mit solch einer Perle der Musikgeschichte kann es natürlich nurmehr bergauf gehen für die sympathischen Recken aus „Saarbrücken an der Saar.“

Einen Vorteil immerhin hat die derzeitige Oberliga-Zugehörigkeit des „Eff-Zee“ – zum Auswärtsspiel geht es einfach ein paar Kilometer die Saar rauf. Mal was anderes. Und auf dem Dampfer wird schon fein gefeiert:

Link: Mettlach 022

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

5 Gedanken zu „Hast Du Töne (IV)“

  1. Jaja, die ewige pfälzisch-saarländische Rivalität… Dabei kommen ja regelmäßig auch sehr viele Die-Hard-Betzefans aus dem Saarland auf den Betzenberg. Und der FCS hat schon immer gerne Leistungsträger an den FCK abgegeben. Brehme, Demai… 😀

  2. Zwei Anmerkungen von mir zu diesem gelungenen Umriss unseres Vereinsliedes (was wohl die Hälfte der Fans nichtmal kennt):

    1. Die Erwähnung von DTH im Text hat mich Schmunzeln lassen, war der gute Mann doch mitkomponist von „F-F-FCS“, wie es bei den Freunden vom FC 45 zu lesen (dort schlicht mit „Heck“ vermerkt) ist:

    http://www.fc45.de/store.cgi?&shop=football&L=ger&P=625

    Der Dieter, der Thomas, der Heck war ja auch lange beim Saarländischen Rundfunk tätig.

    2. Der saarländisch-pfälzischen Rivalität und meiner subjektivem Einschätzung zum Trotz: das Betzelied ist imho auch keine Musik, die ich nüchternen Menschen zumuten würde.

  3. Haha, das ist ja sehr lustig! Hatte keine Ahnung bzgl. D.T. Hecks Beteiligung am FCS-Lied! Vielen Dank für den Hinweis.

    Zum Betzelied muss dann iwann auch mal ein Artikel kommen. Ist musikalisch / textmäßig sicher in einer ähnlichen Liga, bei mir als notorischem FCKler natürlich dennoch Kult. „Wenn am Wochenende die Massen / in die Fußballstadien ziehn…“ :-)

  4. ist das eigentlich ein anlegemanöver bei dem schiff oder ne schleuderwende oder ein sliding tackling? wird einem ja angst und bange!

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