Favres Agenda 2010

Damals schon 2010 im Blick: Lulu F.
Damals schon 2010 im Blick: Lulu F.

Glaubt man der aktuellen Bundesligatabelle, zählt Hertha BSC bereits zur Spitzengruppe der Liga. Platz 4 nach 13 Spieltagen, nur 4 Punkte Rückstand auf Platz 1. In der Tat war eine solche Platzierung  in den letzten Jahren mehr Berliner Wunschdenken denn Realität. Gerade im notorisch mürrischen Berlin stand der Anspruch, den Fans, Umfeld und  Boulevard an den Hauptstadt-Club haben, meist in keinem Verhältnis zur fußballerischen Beschränktheit der Mannschaft. Doch das scheint dieser Tage alles anders zu sein. Nach den zwei Heimsiegen gegen Hoffenheim und Hamburg konnte man sich erst einmal im oberen Bereich der Tabelle einnisten. Zufall? Mitnichten.

Herthas derzeitiger Höhenflug hat einen Grund: Lucien Favre. Als der 51-jährige Schweizer im Sommer 2007 nach Berlin kam, hatte er eine Vision mit im Gepäck, an der seitdem täglich gefeilt wird. Der als Perfektionist geltende Favre will bei Hertha eine Mannschaft aufbauen, die 2010 in der Lage ist, um die Meisterschaft mitzuspielen. Ein hehres Ziel, für das er vom Rest der Republik oft belächelt wurde und auch noch wird. Doch das dürfte Favre wenig bis gar nicht interessieren, schließlich hat er hervorragende Referenzen. 2003 übernahm er den FC Zürich als dritter Trainer innerhalb eines Jahres, was wohl einiges über den damaligen Zustand der Mannschaft aussagt, und baute dort ein Team auf, das schließlich 2006 und 2007 Schweizer Meister wurde und den ansehnlichsten Fußball der gesamten Liga spielte. Favre selbst wurde folgerichtig in beiden Jahren zum Trainer des Jahres gekürt.

Wie in Zürich hat Lucien Favre auch bei Amtsantritt in Berlin fast die komplette Mannschaft ausgetauscht und dann eine erste Saison gespielt, die mit „durchwachsen“ noch recht freundlich umschrieben wäre. Das ist natürlich für den Fan nicht schön, aber es zeigt genau, daß es Favre, der als Vorbild  Arsene Wenger und dessen vom FC Arsenal praktizierten one-touch-Fußball nennt, nicht um kurzfristigen Erfolg geht. Es geht um mehr, um etwas Größeres. Auf dieses Ziel wird von Favre kompromißlos hingearbeitet, diesem Ziel hat sich alles und jeder, auch ein Marko Pantelic, unterzuordnen.

Daß Favres Arbeit noch lange nicht erledigt ist, ist offensichtlich. Zwar steht man punktemäßig sehr gut da, doch spielerisch haben die Hauptstädter noch eine ganze Menge Luft nach oben. Bei einigen Spielzügen zeigt sich zwar die Handschrift des Schweizers, der als Spieler als brillanter Techniker und intelligenter Spielmacher galt, doch ist die Mannschaft noch lange nicht so gefestigt, daß sie einen Gegner über 90 Minuten dominieren könnte.

Die Hertha befindet sich also auf einem guten Weg. Es bleibt zu hoffen, daß vom Umfeld dem Konzept, Favres Agenda 2010, weiterhin vertraut wird und dem Trainer auch in weniger erfolgreichen Zeiten keine Steine in den Weg gelegt werden. Dann kann es auch in zwei Jahren mit einem Titel klappen.

(Bild: Flickr / _becaro_)

3 Gedanken zu „Favres Agenda 2010“

  1. was für einen titel soll denn die alte dame holen? muss mal bei konsul weyher nachfragen, was er noch so im angebot hat…

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