Turmbau zu Babel – die AFC Champions League

der gute alte Fuji
der gute alte Fuji

Während von Schleck gestern noch einmal ein absolutes „Hochlicht“ der europäischen Königsklasse in Erinnerung gerufen hat, fragt man sich bisweilen, wie es denn die anderen Kontinente halten, wenn sie ihren König küren wollen. Der Modus in Südamerika ist relativ bekannt, die Copa Libertadores. Wie funktioniert es aber im größten Kontinent der Welt, wie wird der Fußballmeister der weiten Tundren, Wüsten und Gebirgszüge Asiens ermittelt? Bevor ich mich jetzt aber in weiteren Superlativen ergehe, ist natürlich eine wichtige Einschränkung zu treffen. Russland ist Mitglied der UEFA und somit wird in ganz Russland, auch in Wladiwostok am Japanischen Meer, europäischer Fussball gespielt. 2006 konnte die asiatische Konföderation aber Australien als Mitglied hinzugewinnen. Das Gebiet der AFC (hier nicht Altonaer FC 93, sondern Asian Football Confederation) erstreckt sich also von Arabien, über den Himalaya und den Fernen Osten, bishin nach Südostasien und den Socceroos.

Im asiatischen Fußball herrscht demnach nicht nur eine babylonische Sprachverwirrung, sondern ein veritabler clash of civilizations. Ein kontinentaler Wettbewerb wurde lange nicht ausgetragen, vor allem, weil sich die meisten Mannschaften die Reisen zu den Auswärtsspielen nicht leisten konnten. Im Jahre 1967 gab es zwar den ersten Versuch einen zu etablieren, er wurde aber nur viermal ausgetragen. Ab 1985 wurde dann aber wieder ein Landesmeisterpokal ausgespielt. Erster Sieger waren die Daewoo Royals aus Busan (Korea), die sich im Finale gegen Al-Ahli Dschidda aus Saudi-Arabien durchsetzten. 1990 wurde dazu noch ein Pokalsiegerwettbewerb ins Leben gerufen. Es folgte eine große Reform zur Saison 2002/03. Von nun an sollten die 15 stärksten Landesverbände ihren Meister und Pokalsieger in einem Wettbewerb gegeneinander antreten lassen. Die AFC Champions League war geboren!

Die Reform sollten den Verfall des Verbandes in verschiedene regionale Sphären (es existieren u.a. eine Arabische Champions League und ein ostasiatischer A3 Champions Cup) verhindern. Aber auch den extremen Leistungsunterschieden sollte Rechnung getragen werden. So kam die Begerenzung auf die stärksten 15 Länder zustande. Die nächstbesten Länder messen sich allerdings seit 2004 im AFC Cup. Die absoluten „Fußball-Entwicklungsländer“ tragen seit 2005 den AFC President’s Cup aus. Dort lautete die Finalbegegnung des letzten Jahres dann Dordoi Dynamo (Kirgisistan) gegen Mahendra Police Club (Nepal).

2009 steht erneut eine Reform an. Dann wird aus der Champions League die Pro League. Derzeit steht allerdings erst einmal das Finale 2008 auf dem Programm. Dieses wird mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Dieses Jahr stehen sich Adelaide United und Gamba Osaka im Finale gegenüber. Im ersten Spiel in Japan siegte Osaka mit 3:0. Die Herald Sun aus Melbourne sprach von einer „Zerstörung“ von Adelaide durch Osaka. Das Rückspiel steigt am nächsten Mittwoch, wird natürlich schwer für die Aussies, Trainer Aurelio Vidmar sprach davon, dass die Aufgabe für seine Mannschaft nun einer Besteigung des Fuji ähnele. Aber das haben nun auch schon einige geschafft.

Bild: wikimedia commons

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.