Wirre Gedanken zum Europapokal

Spieltag Zwo der UEFA-Cup-Gruppenphase ging soeben zu Ende. Für die deutschen Vereine gab’s in der Woche nach Halloween mehr Süßes als Saures. Die Spiele förderten Überraschendes (Wolfsburg) und weniger Überraschendes (Hertha) zu Tage. Überraschend beim 5:1 der hierzulande meist ungeliebten VW-Städter war nicht so sehr der hohe Sieg sondern – zumindest für unverhohlene Wolfsburg-Hasser wie mich – die Stimmung auf den Rängen. Durchaus europapokalreif wurden von den Retortenstädtern sogar lautstarke Wechselgesänge angestimmt – fleißiger Support, selbst als das Spiel noch auf der Kippe stand. Oder hat das DSF da in feinster Peking-Manier Audiokonserven aus der Europapokalhistorie entdeckelt?

Die Hauptstadt-Hertha verspielte derweil wohl schon den Matchball zum Weiterkommen mit einem 0:0 bei Metalist Kharkov (sic!). Dankbarerweise wurden hiervon keinerlei Bilddaten in die westliche Welt übertragen – die Pipeline hatte ein Leck. Nur noch als frech kann indessen ein Kommentar im Kicker-Ticker gewertet werden, der davon sprach, die Berliner könnten mit dem Punkt „gegen die stark eingeschätzten Gegner“ zufrieden sein. Stimmt. Die nötigen Punkte werden dann ja sicher gegen Galatasaray und bei Olympiakos Piräus eingefahren. (Stimme aus dem Jenseits: Es kann doch wohl nicht der Anspruch sein, nicht einmal für Hertha, gegen eine Mannschaft, deren Namen viele bis vor kurzem eher für die ukrainische Antwort auf „Slayer“ als für ein Fußballteam gehalten hätten, ein torloses Remis zu erstraucheln!) Prosaisches aus dem Diesseits: Hertha-Trainingsleiter Lulu Favre nach dem Schlusspfiff ganz happy: „Sehe das Ergebnis eher positiv.“ Na dann.

Was sonst? Der VfB Gomez gewinnt 2:0 gegen Partizan Belgrad, obwohl es lange auch hier nach einem 0:0 aussah. Und Schalke Null-Vier spielt Eins-Eins bei Racing Santander. Beide bleiben damit auf Kurs. Und wir rechnen weiterhin fest damit, dass die Bundesliga zur Saison 2009/10 wieder die ihr angestammten 6 Champions-League-Direktteilnehmerplätze erhält sowie desweiteren jährlich 10 UEFA-Cupteilnehmer stellt. Der Rest der Liga steigt ja eh ab.

(Bild: Wikimedia Commons)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.