Inspiration: Fehlanzeige

Selten gibt eine Partie weniger Anlass zur Inspiration wie das gestrige 0:0 des 1. FC Kaiserslautern gegen den TSV 1860 München. Keiner der Spieler tat sich in nennenswerter Weise hervor, keine Rahmenhandlung bot sich als adäquater Aufhänger für einen Artikel an. Triste Themenlosigkeit also nach einem fußballerisch trüben Abend. „Tore: Fehlanzeige“ würde traditionsgemäß in den deutschen Gazetten zu lesen sein. Immer schon erschien uns diese Formulierung etwas seltsam..

Es wird also ein bisschen herumrecherchiert. Erst im eigenen Kopf, da das Internet gerade außer Reichweite ist. Erste Assoziationen betreffen die Anzeigetafel. Hat der Begriff irgendwas mit einer Fehlfunktion des Stadion-internen Ergebnisdienstes zu tun? Wohl eher nicht. Seit der Autor dieser Zeilen fußball-relevant denken kann, taucht diese grotesk anmutende Formulierung in steter Regelmäßigkeit auf. Im Kicker, in anderen Sportzeitschriften sowie bei den frühesten Fußball-Managerspielen (beim Bundesliga Manager Professional zeigte die dem Kicker nachempfundene Gazette nach einem torlosen Spiel selbige Formulierung an). Irgendwie klang „Tore: Fehlanzeige“ immer schon wie der halblaute Protest des Redakteurs, dass im von ihm verfolgten Spiel nichts Erwähnenswertes passiert war.

Mittlerweile am weltweit vernetzten Rechner angekommen, ging es sofort auf Spurensuche per Google-Datenkrake. Wikipedia lieferte mal wieder Aufklärung: Laut der Online-Enzyklopädie stellt die Fehlanzeige „in der Bürokratie eine Möglichkeit dar, festzustellen, ob eine Abfrage bzw. Umfrage vom Empfänger zur Kenntnis genommen wurde.“ Feinstes Bürokratendeutsch, das jedoch erste Erhellung bringt. Und weiter: „Die Fehlanzeige ist in der Regel ein Schreiben an den Absender mit dem Inhalt ‚Kein Bedarf vorhanden.'“ Aha. Also entlehnte ehemals vielleicht ein Sportredakteur (Kicker-Fossil Karl-Heinz Heimann (83 and going) kommt hier spontan in den Sinn, auch er hat im übrigen einen Wikipedia-Eintrag) diesen Ausdruck aus dem Bürosprech.

Nun wird es noch abstruser. In österreichischen Büros wird statt „Fehlanzeige“ das Wort „Leermeldung“ verwendet, wie Wikipedia weiterhin weiß. Flugs wird „Tore: Leermeldung“ gegoogelt… und siehe da: Anscheinend wird ebendiese Bezeichnung im Land der tausend Berge, das seinen berühmtesten Politikern ausschließlich mit H beginnende Nachnamen spendiert, für fußballerische Nullnummern verwendet. Beispiele gefällig?

Im Spielbericht zur Partie SV Allerheiligen vs. SV Gmunden (Endstand 1:0), heißt es: „Die erste Halbzeit war in punkto Torchancen bis auf einen Fernschuss von Martin Sternad auf das Gmunden-Tor in Spielminute 43 eine absolute Leermeldung.“ (Link)

Zum Spiel SC Bruck vs. SV Raiffeisen Wildon (ebenfalls 1:0) wird geschrieben: „Als Martin Strobl in der 86. Minute aus 20 Metern mit einem tollen Schuss nur die Latte trifft, ist die Leermeldung besiegelt.“ (Link)

Ausgehend von den Beispielen lassen wir uns zu folgendem, linguistisch vollkommen unfundierten Schluss hinreißen: In der Alpenrepublik wird der Begriff „Leermeldung“ auch verwendet, wenn nur eine der beiden Mannschaften torlos bleibt. Gleiches scheint im hochdeutschen Sprachraum nicht der Fall zu sein. Um Widerspruch wird gebeten.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „Inspiration: Fehlanzeige“

  1. Ich kenne den Ausdruck „Fehlanzeige“ im Zusammenhang mit erzielten Toren, seitdem ich angefangen habe den regionalen Sportteil der heimatlischen Odenwälder Zeitung zu lesen. Dort standen am Ende der Berichterstattungen der Bezirksliga immer die Aufstellungen der Mannschaften, der Name des Schiedsrichters, die Zuschauerzahl, besondere Vorkommnisse und eben die Kategorie ‚Tore‘. Ging ein Spiel 1:0 aus, stand eben nur ein Torschütze namentlich erwähnt da. Damit stimmt aber der Plural im Kategorienname nicht mehr. Die müsste ja dann „Tor“ heißen. Lange rede, kurzer Sinne: obwohl die Österreicher nicht all zu viel auf die Reihe bekommen, ziehe ich meinen Hut vor dem schlichten Einsetzen des schönen Wortes „Leermeldung“ – auch, wenn nur eine der beiden Mannschaften torlos blieb. Aber ich möchte nicht so kleinkariert sein, daher finde ich das deutsche „Fehlanzeige“-System spitze. Allerdings bin ich für eine Einführung des Begriffs „Leermeldung“ anstelle eines Zeitungsberichtes, wenn Bielefeld mal wieder gegen Hansa Rostock 0:0 gespielt hat. Was schreibe ich hier eigentlich?

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