Liegenbleiben lernen (DSF-Doppelpass am Sonntagmorgen)

Das Deutsche Sportfernsehen (kurz: DSF oder auch BÄH) wartet mit wenigen Sendungen auf, auf die das Stichwort „Kult“ zuträfe. Jörg Wontorra (Stammverein: Radio Bremen), der seit geraumer Zeit die aus allen Ecken der Republik am Münchner „Airport“ zusammengeflogene ballkundige Katercrew am Sonntagmorgen lenken darf, pries die Krombacher-Runde (kurz: DSF-Doppelpass) im Werbeblock um kurz vor elf jedoch mit ebenjenem Wort an. Das gerade verputzte Croissant wand sich dem Betrachter zum ersten Mal im Magen.

Es wurde aber noch besser. Bei der Vorstellung der geladenen Gäste ließ sich Wonti nämlich zu einem Verbalbonbon der edelsten Sorte hinreißen. „Am Ende… die Legende“ führte er den Jopi Heesters der Trainerzunft, Smudo Lattek, ein. Eigentlich müsste nun, so dachten wir uns, das Phrasenschwein zerbersten oder zumindest durch die Drehtür des Kempinski hinaus in Suizidabsicht auf den Hangar hoppeln, doch es verharrte regungslos und erlebte so die Ankunft des Ehrengastes, Prof. Dr. ball. Ralf Rangnick, durch selbigen gläsernen Eingang.

Noch einmal zurück zum greisen Fußball-Opa, der traditionsgemäß seinen Stammplatz „vorne links“ einnahm und für dessen Redebeiträge das Wort Floskel zu hoch gegriffen wäre. Immerhin drehte Wonti der Legende mit der Lederhaut aus Rücksichtsnahme für alle Beteiligten nur alle 30 Minuten kurz das Mikro auf. Doch der pensionierte Fußballlehrer mit der Galliernase ließ sich nicht an selbiger herumführen und nutzte eines der Zeitfenster, um seinem selbsternannten Duzfreund „Ralf“ die höchsten Weihen zu erteilen.

In einer Umkehr des Hoeneßschen Diktums contra Daum („Am nächsten Donnerstag ist dein Weg zu Ende“) prophezeite der ostpreußische Hobby-Seher dem Hoffenheimer Coach eine glorreiche Zukunft und leistete im gleichen Atemzug Abbitte. Sinngemäß: „Ich habe damals auf Schalke gedacht, aus Dir kann nie was werden, jetzt belehrst Du mich und alle Experten eines Besseren. Vivat und Juchheirassa. Der Herr sei mit Dir.“

Bierfan Lattek glänzte darüberhinaus mit schlecht gemeinten Ratschlägen (von „Trainer“ zu Trainer), die schon in den Siebziger Jahren veraltet waren („Mal im Training auf kleine Tore spielen!“), und wurde dann zu allem Überfluss auch noch pseudo-investigativ tätig: „Kann es sein, dass Obasi unter falschem Namen antritt?“ Zweifelsohne hatte die weiße Eminenz, dessen Torso während der gesamten Sendezeit präventiv fest am roten Sessel verzurrt war, noch das C-Jugendspiel seines VfR Wipperfürth aus dem Jahr 1963 im Kopf, als ein 35-jähriger bärtiger Zementmischer aus Sizilien unter dem per Spielerpass verbrieften Namen „Reiner Schulze“ für den Gegner auflief und acht Tore schoss. Lattek gibt dies noch heute als seine größte Niederlage an.

Rangnick bot alles auf, um seine Gesichtszüge auf den Schienen zu halten. Wie peinlich ihm dieses Schmierentheater war, merkte man dem bebrillten Balllehrer trotzdem an. Viel lieber hätte er derweil den Trainingsplan für Kalenderwoche 46 erarbeitet. Das verlieh ihm menschliche Züge, gerade neben dem Premiere-Androiden Jan Henkel (zur Rechten Rangnicks). Dieser verhaspelte sich in schöner Regelmäßigkeit („Sie saßen an Tischen!“) und konnte leider gar keinen weiterführenden Beitrag zur Diskussion leisten. Verbalzauderei, wie sie Wontorra selbst nur zu dunkelsten ranissimo-Zeiten zelebrierte.

Einziger Lichtblick in der Runde war der Schriftsteller und bekennende Bochum-Ultra Frank Goosen („Liegen lernen“). In feinstem Ruhrpott-Dialekt setzte er die Glanzpunkte an diesem trüben Morgen und zauberte selbst Rangnick, der inmitten der Sauf- und Seierrunde wirkte wie ein Fünfjähriger, der auf dem Oktoberfest seine Eltern verloren hat, ein Lächeln aufs irritierte Gesicht.

„Erfolg planen machen ja viele, nur bei euch klappt dat ja sogar“, schmunzelte Fußball-Autor Goosen in Richtung Rangnick, forderte dann noch die „kollektive Heiligsprechung“ für die TSG 1899 und sah ansonsten der kollektiven Phrasendrescherei, für die eigentlich ein ausgewachsenes Mastschwein hätte bereit stehen müssen, belustigt zu. In den Werbepausen, die für DSF-Verhältnisse sehr rar gesät waren, wurden wir Spielsüchtigen vor den heimischen TV-Geräten dann zum Pokern mit Boris Becker auf den Bahamas aufgefordert.

Da uns aber dieser Flecken Erde spätestens seit dem James Bond-Film „Feuerball“ irgendwie unheimlich ist (und Boris Becker mittlerweile eigentlich auch), passen wir diesmal und bleiben am nächsten Sonntag auch einfach bis 13 Uhr im Bett.

(Bild: shop.krombacher.de)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

6 Gedanken zu „Liegenbleiben lernen (DSF-Doppelpass am Sonntagmorgen)“

  1. Ihr solltet euch einen Verein der zweiten Liga aussuchen, dann spielt ihr um 14 Uhr und habt somit kein Problem damit den Doppelpass zu schauen, da man ja dann bereits beim „Frühschoppen“ ist. :)

  2. seid rudi asshauer weg ist,geht gar nichs,ich bin der meinung das der müller und rutten weg müßen,es laüft einfach nicht.das ist kein leidenschaft,rein gar nichts,es dauert nicht mehr lange bis die abgesägt werden.vielleicht läufst dann.

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