Nomen est omen – die J-League nach dem 30. Spieltag

Die J-League ist nach dem 30. Spieltag wieder beim bei Mauertaktik bereits beschriebenen Fünfkampf angekommen. Während sich letzte Woche Urawa (0:1 gegen Kobe) und Kawasaki (0:2 gegen Shimizu) noch die Blöße gaben, ließen diese Woche Kashima (2:3 gegen den FC Tokyo) und Oita (ebenfalls 0:1 gegen Kobe) Punkte. Urawa kehrte mit einem 1:0-Sieg in Niigata in die Erfolgsspur zurück. Held des Tages war der Aufsteiger der Saison schlechthin: Hajime Hosogai. In der 80. Minute narrte er einige Abwehrspieler im Strafraum und drosch das Spielgerät zum erlösenden Führungstreffer in die Maschen.

Während an der Tabellenspitze weiter für jede Menge Spannung gesorgt ist, steht am Tabellenende nun eine Sache endgültig fest: Consadole Sapporo ist abgestiegen. Magere 17 Punkte sprechen für wenige Fußballdelikatessen aus Hokkaido in dieser Saison. Ebenso steht aber in Liga 2 bereits ein Aufsteiger fest: Ganz souverän steht dort Sanfrecce Hiroshima an der Spitze und wird in die erste Liga zurückkehren.

Bei diesen Vereinsnamen fragt sich der geneigte Beobachter schon bisweilen wie diese eigentlich zustande gekommen sind. Bei Vereinsbezeichnungen wie etwa Nagoya Grampus Eight sind Herkunft und Bedeutung auf den ersten Blick etwas unklar. Die Clubnamen in den beiden Profiligen sind offensichtlich größtenteils nicht der japanischen Sprache entlehnt. In der Tat stammen diese aus der Gründungszeit der J-League, in der man den Profiklubs neue, teilweise durchaus kuriose Namen verpasste.

Was bedeutet nun zum Beispiel Sanfrecce? Diese Wortschöpfung geht auf eine japanische Legende zurück: Ein Samurai des 16. Jahrhunderts, Motonari Mori, forderte seine drei Söhne auf jeweils einen Pfeil zu zerbrechen. Dies schafften sie leicht. Nun sollten die Drei ein Bündel von drei Pfeilen zerbrechen, was keinem von ihnen gelang. Eine ähnliche Story findet sich ja auch in der Bibel um die Vorzüge des Teamplays zu demonstrieren. Die Verantwortlichen in Hiroshima nahmen nun das japanische Wort für Drei, San, und das italienische Wort für Pfeil, freccia oder auch frecce – fertig war die Laube: Sanfrecce.

Für Deutschsprachler besser verständlich ist da schon der Name des leider nicht mehr existierenden Teams der Yokohama Flügels. Neben solchen eher einfachen Anleihen aus europäischen Sprachen, wie etwa auch beim bekannten Júbilo (portugiesisch für Freude) Iwata, sind die meisten Namen wilde Wortkreationen. Der hier erwähnte Name des Teams aus Nagoya, Grampus Eight, stellt eine Kombination verschiedener Symbole der Stadt Nagoya dar. So ist das Schloss in Nagoya besonders für seine stilisierten Schwertfische bekannt (englisch: grampus). Das Stadtwappen zeigt das Schriftzeichen für Acht (englisch: eight), welches sich aus dem alten Wappen der Owari-Tokugawa-Familie entwickelte. So bastelte man sich Grampus Eight zusammen.

Relativ offensichtlich scheint die Herkunft des Namens der Urawa Red Diamonds zu sein. Da es sich ja um die ehemalige Werksmannschaft von Mitsubishi handelt, ist die Assoziation mit dem Logo des Konzerns sehr naheliegend. Dies ist auch korrekt. Allerdings bedeutet der Name Mitsubishi (三菱) direkt übersetzt nicht etwa drei Diamanten, wie oft vermutet, sondern eigentlich drei Wassernüsse. Aber genauso wie der Wirtschaftkonzern im Englischen zu Three Diamonds umschwenkte, so vertraut auch der Fußballverein auf die Strahlkraft seines Namens. Ein Urawa Red Water Caltrops blieb uns also erspart.

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.