Auf der Suche nach sich selbst…

3 Siege, 4 Unentschieden, 3 Niederlagen, Tordifferenz +1. Nein, die Rede ist nicht von Eintracht Frankfurt, Hannover 96 oder sonst einem Verein aus dem gefühlten Mittelmaß der Liga, die Rede ist von Werder Bremen im Herbst 2008. Die Hanseaten sind in dieser Spielzeit Licht und Schatten. Oder wie 11Freunde es treffenderweise nannte, weder Fleisch noch Fisch. Wohin geht die Reise des SV Werder Bremen in dieser Saison? Alle reden von Krise, doch vielleicht ist dieses Jahr einfach nicht mehr drin.

Fakt ist, daß 13 Punkte nach zehn Spielen natürlich viel zu wenig sind, vor allem wenn man den tiefstapelnden Anspruch hat, um die Champions-League-Quali-Plätze mitzuspielen. Denn wenn man diesen Schnitt nicht schnell nach oben korrigiert, steigt man am Ende zwar immerhin nicht ab, aber mit Zusatzeinnahmen aus dem internationalen Geschäft darf man dann wohl auch eher nicht rechnen. Ebenso klar wie diese Rechnung ist die Reaktion der Presselandschaft: Der SV Werder in der Krise! Selbst Klaus Allofs gibt angesichts der jüngsten Ergebnisse zu, daß er „keine Angst vor dem Wort Krise“ hat. Doch ist es wirklich „nur“ eine Krise oder liegt der Hund doch tiefer begraben?

Spricht man als Spitzenmannschaft von einer Krise, inkludiert man eigentlich immer, daß man aus eben dieser auch bald wieder rauskommt. So schon (leider) oft genug von den Bayern demonstriert. Doch diese Einschätzung birgt auch die Gefahr, daß man sich zu lange auf etwas verläßt, was nicht eintreten wird. Der 1.FC Nürnberg hat vermutlich vergangene Saison bis zuletzt darauf vertraut, daß man als Pokalsieger nicht absteigen kann. Viel interessanter als die Frage, ob die Schaaf-Elf in einer Krise steckt oder nicht, ist daher: Hat die Mannschaft die Qualität, um oben mitzuspielen?

Sicher, nominell hat man sich eher verstärkt als verschlechtert. Zwar hat mit Tim Borowski immerhin ein Nationalspieler das Team verlassen, doch die Bremer waren und sind im Mittelfeld gut aufgestellt. Im Sturm konnte mit Claudio Pizzaro sogar ein richtiger Kracher an die Weser zurückgeholt werden. Ligaweit auf jeden Fall eher einer der besseren Kader. Es ist ja auch nicht so, daß das Team in dieser Spielzeit auf ganzer Linie enttäuscht hätte. Im Gegenteil, nicht nur Bremen-Fans verfolgten begeistert die Spiele gegen München und Hoffenheim. Berauschender Offensivfußball, den man seit mehreren Jahren von den Bremern kennt, mit dem sie sich den Respekt und die Sympathie von ganz Fußball-Deutschland erspielt haben. Doch jetzt, da in der Torfabrik die Bänder stillstehen, und vorne nicht ein Tor mehr geschossen wird als man sich hinten fängt, werden plötzlich alle nervös.

Der Trainer Thomas Schaaf redet schon seit Saisonbeginn von den Fehlern, die praktisch in jedem Spiel dieser jungen Saison in der Defensive zu beobachten waren. Völlig gleich in welcher Besetzung die Abwehr spielt, sie wackelt.  Über das 1:4 gegen Stuttgart und das gestrige 0:2 gegen gute Leverkusener muß man nicht reden, das sind Spiele, die kann man verlieren. Aber ohne eine derart desolate Abwehr wären mindestens die verlorenen Punkte gegen Bielefeld, Gladbach und Dortmund auf dem Konto und dann würde die Welt an der Weser ja auch ganz anders aussehen.

Krise hin oder her, mit der Defensive steht und fällt der Erfolg dieser Saison. Nicht an langen Verletztenlisten oder daran, daß die Stürmer mal nur einmal pro Spiel treffen, sondern an einer sicheren, geordneten Defensive. Für Thomas Schaaf gilt es also, schnell eine Lösung des Abwehrproblems zu finden. Kann bei aller Sympathie, die ich für die Bremer hege, aus meiner Sicht als Berliner auch gerne erst am Sonntag sein…

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