Moderner Fünfkampf an der Tabellenspitze – der 28. Spieltag der J-League

Wie bereits Kollege von Schleck berichtete, tobt in der Bundesliga zu Beginn dieser Spielzeit ja der Krieg der Spielphilosophien. Ähnlich verhält es sich in der J-League, wo 6 Spieltage vor dem Saisonende fünf Mannschaften sich im Umkreis von drei Punkten um die Tabellenspitze aufhalten. Diese Mannschaften warten auch mit den verschiedensten Spielkonzepten auf.

Den größten Gegensatz findet man hierbei zwischen dem neuen Drittplatzierten, Kawasaki Frontale, und dem Vierten, Oita Trinita. Der Fujitsu-Club aus Kawasaki, der sich mit dem italienischen Wort „frontale“ ja praktisch schon die Offensive auf die Fahnen geschrieben hat, spielt hierbei den Part des Totalisten. Seit 2005 spielen sie wieder in der ersten Liga und stehen seitdem für Offensivfussball mit großem Torhunger. In der Saison 2006 wurden sie dafür sogar mit dem zweiten Platz belohnt. Damals begannen sie die Saison mit einem 6:0 im ersten Spiel gegen Albirex Niigata. Auch diese Saison stehen sie mit 51 geschossenen Toren derzeit auf der Platz 1 der Torstatistik. Demgegenüber geizt Oita Trinita, das Team aus Kyushu, geradezu mit Toren. Mit 30 Treffern traf man seltener als der Tabellenletzte Sapporo. Dies reichte aber zu genauso vielen Punkten, wie sie auch Kawasaki auf dem Konto hat. In der Rückrunde gewann man bereits viermal mit 1:0. Das ist reinster südeuropäischer Italo-Calcio im südlichen Japan. Diese Masche hat die Insulaner aus dem grauen Mittelmaß direkt in die oberen Regionen der Tabelle katapultiert. In den letzten Jahren war in Oita das spannendste der Abstiegskampf. Auch letztes Jahr war es wieder so weit, während man die Saisons 2005 und 2006 im Mittelfeld verbrachte. Dementsprechend ist das Saisonmotto, was in Oita jedes Jahr ausgegeben wird, von der stetigen Herausforderung in Liga 1 geprägt. Für dieses Jahr wurde „One Heart, Big Challenge“ ausgegeben. Letztes Jahr hieß es noch „Challenge & Competition“, davor gar „Challenge & Challenge“. Challenge wird in Oita offensichtlich großgeschrieben.

Nun hat aber eine 0:3-Niederlage, ausgerechnet gegen Kawasaki, Oita etwas zurückgeworfen. Die besten Chancen haben derzeit wohl die Titelverteidiger der Kashima Antlers. Sie stehen punktgleich mit Nagoya Grampus auf dem ersten Platz. Auf dem fünften Platz abgerutscht sind die Urawa Reds. Es gab an diesem Wochenende eine empfindliche 2:3-Niederlage gegen die abstiegsbedrohte Mannschaft von JEF Chiba. Nach zuletzt zwei Unentschieden ist man nun drei Spiele ohne Sieg. Man hat das Gefühl, dass sich derzeit lediglich ein Spieler gegen die drohende Krise stemmt: Marcus Tulio Tanaka. Der Japaner mit brasilianischen Wurzeln, der eigentlich der Abwehrchef bei den Reds ist, erzielte gegen Chiba bereits sein zehntes Saisontor. Das scheint aber derzeit nicht für einen Dreier zu reichen. Die Hoffnungen liegen nun u.a. auf Stürmer Edmilson, der aufsteigende Form zeigt, und nun im Sturm gesetzt scheint. In diesem Sinne: がんばって!

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.