Derby, oder was? – der 25. Spieltag der J-League

Was macht ein „Derby“ zum Derby? Oder was macht ein „Clásico“ zu einem solchen? Über diese Fragen kann man sicher ganze Buchbände verfassen, aber die Grundzutaten für ein Derby scheinen zunächst die regionale Nähe und eine besonders starke Rivalität, sei diese sportlich, religiös, sozial oder politisch begründet, zu sein. Wie ist nun aber das Duell der Urawa Red Diamonds mit den Mannen von Omiya Ardija einzuordnen? Eine gewisse räumliche Nähe lässt sich nicht bestreiten. Die beiden ehemaligen Städte Urawa und Omiya wurden im Jahre 2001 zur neuen Millionenstadt Saitama City zusammengeschlossen. Aber sind diese beiden Vereine wirklich Rivalen?

Lange Jahre stellte sich diese Frage gar nicht. Omiya wurde 1969 als Werksmannschaft des staatlichen Telekommunikationsunternehmens NTT gegründet und war sportlich im Gegensatz zum Mitsubishi-Club Urawa bedeutungslos. So waren sie auch kein Gründungsmitglied der J-League. Erst 1999 stiegen sie in der zweiten Division ein. Jetzt nannten sie sich „die mächtigen Eichhörnchen von Saitama“ und wurden dementsprechend weiterhin nicht so recht ernstgenommen. 2000 kam es dann zur ersten Begegnung mit Urawa, als die für ein Jahr in der zweiten Liga vorbeischauten, aber von Derby war da wohl noch nicht die Rede. Als ich 2002 einen japanischen Freund fragte, warum er denn zu Omiya gehe und nicht zu Urawa, antwortete er bezeichnenderweise:“Bei Urawa ist es immer so schwierig Karten zu bekommen …“ Das Wort „Saitama-Derby“ war da noch nicht erfunden.

Das änderte sich 2005. Omiya stieg in die erste Liga auf. Zum ersten Mal stand man in einer direkten sportlichen Konkurrenzsituation. Und siehe da: das erste Duell ging mit 1:2 für Urawa in die Binsen. Schon sprach man in den Medien vom „Saitama-Derby“. Allerdings spricht man in Japan relativ schnell von einem Derby. Es kursieren z.B. Kuriositäten wie ein „Onsen-Derby“ (Onsen = heiße Quellen in Japan), als welches Spiele bezeichnet werden, die zwischen Städten stattfinden, die ein berühmtes Onsen beherbergen. Die sportliche Konkurrenz zwischen Urawa und Omiya erreichte Ende 2005 dann aber ein neues Level: Man traf im Halbfinale des Kaiserpokals aufeinander. Es war ein absolut packendes Spiel, was Urawa 4:2 nach Verlängerung für sich entscheiden konnte.

Spätestens nach diesem Spiel kann man von einer gewissen Rivalität reden. Man verliert eben nicht gerne gegen ein Eichhörnchen, schon gar nicht, wenn es aus der selben Stadt kommt. Am 25. Spieltag fand das Saitama-Derby also wieder statt. Es war ein Spiel mit vielen Torszenen aber nur einem Tor: Takahara machte es in der 27. Minute. Urawa hält damit Anschluss an Nagoya, die weiterhin 3 Punkte Vorsprung haben.

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.