Hast Du Töne (II)

Spontan kommen zwei großartige Traditionen in den Sinn, mit denen der Deutsche Fußball-Bund in den letzten Jahren völlig unnötigerweise gebrochen hat. Da wäre zunächst einmal die legendäre „Blaue Stunde“, die in den achtziger Jahren noch fest zum Rahmenprogramm eines jeden Länderspiels gehörte. Hierbei kamen Mannschaft und Trainerstab des Abends zusammen und knipsten sich nach allen Regeln der Kunst die Lichter aus. Alles, was Leber und Hirnrinde wehtat, wurde aufgefahren. Oder wie Bundestrainer Derwall es einmal formulierte: „Es gab viel Obst und Getreide in flüssiger Form.“ Wer es wagte, diesem feucht-fröhlichen Fußball-Stammtisch fernzubleiben, konnte sich drastischer Konsequenzen sicher sein, wie Bernd Schuster erfahren durfte, den Derwall, der Kreuzritter gegen die Spaßbremsen der Nation, kurzerhand vom nächsten Länderspiel wieder auslud.

Darüber hinaus machte sich die Nationalelf im vierjährigen Turnus vor den Augen der Nation zum Deppen. Die Rede ist hier nicht vom Abschneiden bei den Weltmeisterschaften 1994 und 1998 sondern von den offiziellen Songs, die Beckenbauer, Breitner, Matthäus und Co. mit den Größen der deutschen Schlagerszene (Jürgens, Schanze, Alexander) vor jedem großen Turnier einspielten. Legendär natürlich „Fußball ist unser Leben“ aus dem Jahre 74, als „Freud‘ und Ehr'“ im Song wie im Turnier für die deutschen Recken bestellt waren.

Weniger bekannt dagegen das musikalische Vorgeplänkel zur WM 1982 in Spanien, als Berufsquatschkopf Michael Schanze die bundesdeutsche Kapelle leitete. Äußerst geschickt streute der Wahl-Mallorciner in Strophen und Kehrvers ausgefallene spanische Vokabeln ein. „Olé Espana“ – ein Meisterwerk der Völkerverständigung! Beim TV-Auftritt brachte dann noch eine spontane Kopfballstaffette zwischen Schanze und der Nati die Zuschauer an den Rande der Tollwut. Dafür nahm sogar Kalle Rummenigge kurz die Hände aus der Tasche. Überzeugt euch selbst:

Übrigens: Die Kessler-Zwillinge, die ab Minute 0:58 das Niveau des Clips noch einmal von Landesliga auf Bauernstaffel senken, sollten tunlichst zur eigenen Gesundheitsförderung missachtet werden. Bei 1:14 werden sie dankbarerweise wieder versenkt…

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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