Schlachthof 11

Es gab eine Zeit, da war der Fußball für einen bestimmten Spielertypus besonders gefährlich. Lange bevor das Regelwerk zum Gesundheitsschutz der Athleten verschärft wurde, wurden die genialen, trickreichen Spielmacher, die technisch beschlagenen, dribbelstarken Spielentscheider in steter Regelmäßigkeit bis an den Rand der Körperverletzung (und oft darüber hinaus) Opfer von brutalen Grätschen und fiesen Tritten.

Egal woher sie kamen: Pelé, Best, Libuda und Co. sahen sich andauernden, absichtlichen Angriffen auf ihre Gesundheit ausgesetzt – in dieser Reihe kann übrigens auch der ungarische Ausnahmespieler Ferenc Puskas genannt werden, der in der Vorrunde 1954 von den deutschen Spielern derart traktiert wurde, dass er noch im Finale von Bern die Folgen der teutonischen Tritte spürte und nicht zu 100 % leistungsfähig war.

Bremens Diego, einer der heute am häufigsten gefoulten Spieler in der Bundesliga, wäre unter Garantie, die Ungnade einer früheren Geburt vorausgesetzt, noch weitaus öfter, brutaler und nicht selten mit dem Vorsatz der Körperverletzung attackiert worden.

Dass dieses Szenario nicht an den Haaren herbei gezogen ist, beweist ein Name. Andoni Goikoetxea Olaskoaga. Klangvolle Silben, die aber bei den technisch versierten Gegenspielern des Spaniers eher blankes Entsetzen ausgelöst haben dürften. In der spanischen Liga war der baskische Eisenfuß unter dem Kampfnamen „Schlächter von Bilbao“ bekannt und berüchtig. Was Goikoetxea so drauf hatte, lässt sich trefflich aus folgendem Video ersehen:

Es ist offensichtlich, dass Goikoetxea in dieser Szene nur eines im Sinn hatte: Maradona, damals in Diensten des FC Barcelona, zu verletzen. Was er auch schaffte. Die Nummer der 10 der Katalanen fiel mit einer Knöchelverletzung mehrere Monate aus.

Diego Armando Maradona reagierte auf seine Art. Beim spanischen Cupfinale, der „Copa de la Rey“, in dem Barcelona mit dem wiedergenesenen Maradona erneut auf Bilbao traf, zettelte der kleine Argentiner vor den Augen des spanischen Königpspaars eine zünftige Massenschlägerei an, bei der er (wie in folgendem kurzen Ausschnitt gut zu sehen) unter anderem einen Auswechselspieler der Basken auf unfeinste Art und Weise niedertrat.

Interessant ist, dass die Faust- und Trittschlacht in fast jedem biografischen Rückblick Maradonas erwähnt wird, die Vorgeschichte aber gerne unter den Tisch fällt (wie unter anderem hier und hier geschehen). Vielleicht bezeichnend: Der plumpe Schlächter kommt hierbei also von der Nachwelt ungeschoren und ungescholten davon; bei dem auch bei seinen späteren Stationen skandalumwitterten Maradona passte diese isolierte Anekdote aber wohl allzu gut ins Bild…

Als Randnotiz: Auch einen weiteren Ausnahmespieler hat Goikoetxea auf dem Gewissen, wie Wikipedia zu berichten weiß: Bernd Schuster, damals an der Seite Maradonas für Barca auflaufend, trat er so nachhaltig um, dass den „blonden Engel“ für den Rest seiner Karriere Kniebeschwerden plagten.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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