Dunkle Wolken über Urawa – der 24. Spieltag der J-League

Der 24. Spieltag der J-League, der heute zu Ende geht, brachte gestern vor allem für die Urawa Reds ein ernüchterndes Ergebnis. Mit dem 0:0 gegen Oita Trinita ist der Abstand zur Tabellenspitze auf 3 Punkte angewachsen. Zwar ist ein Unentschieden gegen Oita, die punktgleich sind und außerdem seit 15 Spielen ungeschlagen, kein Beinbruch. Auch scheint ein 3-Punkte-Rückstand doch durchaus aufholbar. Aber irgendwie scheint diese Saison bei Urawa der Wurm drin zu sein.

Das konnte man vor allem beim debakulösen Ausscheiden aus dem Nabisco-Cup erleben. Ohne Sieg beendete man dort die Vorrunde als Letzter der Gruppe. Die Ursachen dafür sind sicher mannigfaltig, aber insgesamt lässt sich feststellen, dass der Umbau der Mannschaft nicht in der Weise geklappt hat, dass die Spielstärke der letzten Jahre hätte bewahrt werden können. Den Anfang machte der unglückliche Abschied von Washington, der einer der Garanten für den Titelgewinn 2006 war. Auch die Abgänge gen Deutschland, Makoto Hasebe und Shinji Ono, haben den Kader in der Breite ausgelaugt. Resultat war das Chaos zu Saisonbeginn, was in der Entlassung von Holger Osieck gipfelte. Sicher spielte da auch der unglückliche Abschluss der letzten Saison noch eine gewisse Rolle.

Seit dem Amtsantritt von Gert Engels sind nun aber auch schon einige Monate ins Land gegangen. Zwischendurch hatte man wirklich das Gefühl, dass die Mannschaft sich gefunden hätte. Personell steht inzwischen das Grundgerüst der Mannschaft, es wird nur punktuell variiert. Im Sturm spielten diese Woche Naohiro Takahara und Yuichiro Nagai. Bedingt ist diese Umstellung sicher vor allem durch die erneute Absenz von Tatsuya Tanaka, der einem mit seiner Krankengeschichte schon echt leid tun kann. Edmilson und Tsukasa Umesaki scheinen derzeit außen vor zu sein. Erfreulich ist die Entwicklung von Hajime Hosogai, der sich einen Stammplatz erarbeitet hat. Die weitere Entwicklung bleibt auf jeden Fall spannend und als Urawafan hoffe ich, dass bereits am nächsten Spieltag, im Saitama-Derby, wieder 3 Punkte eingefahren werden können.

Entscheidend wird dann wohl der 27. Spieltag, wenn es gegen Nagoya geht. Die sind nun nach dem 1:0-Auswärtssieg bei Gamba Osaka souveräner Tabellenführer. Der Toyotaclub hatte ja bereits in den letzten Jahren ordentlich aufgerüstet, was aber nicht den gewünschten Erfolg zeitigte. Nun scheint man sich aber endgültig als Spitzenmannschaft etabliert zu haben. Es darf wohl als Ironie des Schicksals bezeichnet werden, dass kein teurer Transfer, sondern Youngster Yoshizumi Ogawa sich derzeit als Garant des Erfolgs darstellt. Auch hier wird es spannend zu sehen, ob Grampus Eight in der Spur bleiben wird.

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.