Männer, die der Ball nicht braucht (1)

Liebling der Massen: Rubi MC
Liebling der Massen: Rubi MC

Eigentlich nach jedem Länderspiel überlege ich kurz, ob ich Gerd Rubenbauer als Kommentator vermisse oder nicht. Es ist zwar mitnichten so, daß ich mich beim Schauen der deutschen Elf 90 Minuten lang auditiv verwöhnt fühle, aber ganz so schlimm, daß man sofort nach Ersatz schreien müßte, ist es ja dann auch nicht. Aber ein Gerd Rubenbauer ist halt auch eben kein Ersatzmann. Vor allem wäre Rubi MC da wohl auch die falsche Wahl. Denn es gab wohl in der gesamten Sportkommentatorenszene nie ein Exemplar, das ebenso häufig wie viel Unsinn erzählt hat wie der gebürtige Münchener.

Wenn Rubenbauer mit dem Kommentieren eines Spiels betraut war, mußte man als Zuschauer 90 Minuten lang mit einer etymologischen Lüge leben. In „kommentieren“ steckt ja immerhin lateinisch „mens“, also „der Verstand“ oder „der Gedanke“ und dieser Aspekt fiel bei Rubenbauer praktisch komplett weg. Gerd Rubenbauer war also mehr ein Kom-tator. Diese Fähigkeit, also sein Gehirn für die gesamte Dauer eines Fußballspiels ausschalten und trotzdem sprechen zu können, nutzte der juvenile Frauenschreck mit einer beeindruckenden Konsequenz, so daß tatsächlich Sätze wie „Einen so harten Ellenbogen hat der in ganz Kolumbien noch nicht erlebt. Aber genaugenommen war es das Knie.“ überliefert sind.

Was uns Rubi mitteilen wollte, als ihm der Satz „Denken Sie daran, daß die intelligentesten Menschen oft auf dem linken Verteidigerposten zu finden sind“ über die Lippen kam, weiß der bekennende Rechtsaußen heute wohl auch nicht mehr. Ebenso unklar wie unnötig auch 1988 bei den Olympischen Spielen gegen China: „Der kleinste Chinese auf dem Platz ist übrigens Thomas Häßler“.

Es sind solche Sätze, die ihn von der gemeinen Reporter-Kaste abheben; und natürlich das WM-Finale 1990. Danach war er eigentlich unsterblich: Von „Also, mikrophonmäßig is alles in Butter“ über „Goycochea wußte alles – nur halten, konnte er ihn nicht“ bis „der Kaiser hat die Krone, die deutsche Mannschaft den Pokal und wir hatten Spaß, meine Damen und Herren“. Doch was macht Rubi? Er macht weiter und leistet Ende der 1990er seinen fachlichen Offenbarungseid, als ein FIFA-Offizieller 1 Minute Nachspielzeit signalisiert und Rubenbauer -endgültig verwirrt- ein „Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus“ entfährt. Schachmatt.

Fakt ist aber, daß Rubenbauer sich selbst und seinem Stil stets treu geblieben ist und er sich niemals um Respekt und Anerkennung bei den Oberen oder gar bei den Zuschauern angebiedert hätte. Er war er und wer ihn nicht wollte, mußte sich eben einen anderen suchen. Und genau das tat der damalige ARD-WM-Koordinator Heribert Faßbender bei der Heim-WM 2006 dann auch und entschied sich für den nicht minder debilen Komtator (sic!) Reinhold Beckmann, der auch häufiger mal den Rubenbauer macht.

(Bild: Flickr / Michi B)

4 Gedanken zu „Männer, die der Ball nicht braucht (1)“

  1. okay, keine ahnung, wonach man suchen muß, um sowas zu finden, aber das ist definitiv großartig!

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