London, Northfleet, Hoffenheim – das BM-Prinzip

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als mein Onkel mir erzählte, dass er derzeit ein Computerspiel namens „Bundesliga Manager Professional“ auf seinem PC spiele. Allein seine kurze Schilderung des Spielprinzips rief seinerzeit große Begeisterung bei mir hervor. Mangels eines BMP-fähigen PCs bei uns zu Hause war ich zunächst darauf angewiesen bei Besuchen im Hause meines Onkels das Spiel in Augenschein zu nehmen. Meine Vorfreude, die sich ein ums andere Mal aufstaute, wurde nie enttäuscht.

Nun scheint es so, dass das Prinzip „Bundesliga-Manager“ nun endgültig auch in das reale Fußballgeschehen Einzug gehalten hat. Sicher gab es das auch schon in der Vergangenheit, etwa beim Betrachten der Einkaufspolitik von Real Madrid. Da hatte man, hat es jetzt unter Schuster eigentlich wieder, schon das Gefühl, dass dem Kaufrausch keine Grenzen gesetzt sind. Allerdings gehört diese Handlungsweise der Madrilenen ja jeher zum europäischen Fußballgeschäft, ist somit Teil des Systems. Das BM-Prinzip zeichnet ja gerade aus, dass durch einen außergewöhnlichen Eingriff von außen das Machtgefüge erschüttert wird. So kommt es zu unerwarteten Ergebnissen: vom kuriosen Bundesligaaufstieg bis zum spektulären Titelgewinn.

Es ist sicher schwer festzustellen, wann das erste Mal jemand versucht hat BM in der Realität zu spielen. Wahrscheinlicher ist, dass es das eigentlich schon immer gab, wenn ein „Mäzen“ sich an die Spitze eines Vereins stellte. Es ist jetzt einfach nur so, dass mit neuen finanziellen Möglichkeiten auch neue Möglichkeiten entstanden sind. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang sicherlich das Engagement von Mohamed Al-Fayed beim FC Fulham. Der Verein wäre 1995/96 fast aus der vierten Liga abgestiegen. 1997 kaufte Al-Fayed den nun wieder drittklassigen Klub und gestaltete ihn nach seinen Vorstellungen um, insbesondere setzte er Kevin Keegan als Trainer ein. Das Ergebnis ist bekannt, der Verein spielt inzwischen in der Premier League. Neue Maßstäbe setzte aber sicher Roman Abramowitsch, der seit 2003 beim FC Chelsea eine entscheidende Rolle spielt.

Gerade der letzte Name zeigt die dunkle Seite des BM-Prinzips auf. Leider ist man es nicht selber, der die Geschicke des Vereins übertragen bekommt, sondern der fiese Oligarch aus Russland. Diesem Manko versucht seit letztem Jahr das Projekt my football club entgegenzutreten, das dem „kleinen Mann“ über die Webseite die Chance geben will, Einfluss auf die Geschicke des Vereins zu geben. Bis jetzt mit Erfolg! Seit dem November 2007 wird Ebbsfleet United von einer web-community gemanaget. Ist hier der Bundesliga-Manager-Traum wahr geworden? Ebbsfleet konnte im Mai zumindest den ersten Titel holen. Der Einfluss des Einzelnen bleibt bei diesem Konzeot aber relativ gering, wodurch der Vergleich mit dem BM dann doch etwas hinkt.

Aber auch in Deutschland beschäftigte uns an den ersten Spieltagen der BuLi das BM-Prinzip. Der Aufstieg der TSG Hoffenheim ist eigentlich in eine Reihe zu stellen mit etwa Europokalnächten mit dem DSC Wanne-Eickel oder einem Pokalsieg des KSV Baunatal. Allerdings soll hier keinesfalls an die diversen Hopp-Neiddebatten angeknüpft werden. Bei der TSG steht ein solides Konzept im Hintergrund, was vor allem auch junge Spieler fördert. Darüber muss man eindeutig froh sein. Auch 14.000 verkaufte Dauerkarten zeugen von einer hohen „street-credibility“ in der Region. Sicherlich wurde das auch durch den sportlichen Niedergang der Traditionsvereine Waldhof und VfR Mannheim begünstigt.

Auch der my football club findet nunmehr ein Pendant in Deutschland. Unter dem Namen Dein Fussballclub versucht Sönke Wortmann den SC Fortuna Köln wieder auf Vordermann zu bringen. Das Projekt findet auch große Beachtung, ich perönlich stehe dem aber eher skeptisch gegenüber. Das liegt daran, dass Fortuna Köln nun doch auch eine eigene Vergangenheit vorzuweisen hat. Die Fans des 1.FC Köln fallen als Unterstützer daher schonmal flach. Und eigentlich auch alle anderen Fußballfans, die es mit einer deutschen Mannschaft halten. Fortuna Köln stand mit denen ja zumindest früher in einer Konkurrenzsituation, ist kein ungeschriebenes Blatt. Daher wird man sich nur schwer für einen Erfolg der Fortuna begeistern, wenn man nicht schon immer mit ihr sympathisiert hat.

Es ist anzunehmen, dass das BM-Prinzip in der Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Wohl vor allem in England, wo man einen Verein in BM-Manier recht einfach übernehmen kann, wie gerade wieder bei Manchester City geschehen. Der normale Fan aber, der kein finanzstarkes Unternehmen im Schrank hat, wird sich wohl auch weiterhin vor den PC bequemen müssen um das BM-Prinzip zu erleben.

– Franco Persico

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

1 Gedanke zu „London, Northfleet, Hoffenheim – das BM-Prinzip“

  1. BMP rulez! KSV Baunatal traditionell einer der ersten schweren Gegner in Saison 1…

    Absolute „street credibility“ jedenfalls für F. Persico nach diesem fantastischen Debüt! Macht Laune auf mehr…

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