Ein erster Ausblick

Die ersten drei Spieltage sind gespielt und der geneigte Bundesligazuschauer kann sich ein erstes Bild über die diesjährige Besetzung des Oberhauses machen, konnte jedes Team nun ein- bis dreimal beobachtet werden. Auch wenn in einem Land mit ca. 80 Millionen potentiellen Bundestrainern ein Saisonausblick auch schon am 01.07. eines jeden Jahres eigentlich zu spät ist, scheut sich Mauertaktik nicht, dieses Thema noch einmal aufzugreifen…

Als Deutscher Meister wird sich auch in diesem Jahr wieder einmal der FC Bayern nicht vermeiden lassen. Das wird zum einen an einer souveränen Leistung der Münchener selbst liegen; zum anderen aber hat sich jetzt schon gezeigt, daß es leider wieder keine Mannschaft gibt, die die Konstanz und Qualität besitzt, dem Rekordmeister über eine ganze Saison das Wasser reichen zu können. Die anfängliche Hoffnung, die kurz aufkam, als die Bayern nach zwei Spieltagen zweimal eher glücklich remis gespielt hatten, wurde sofort im Keim erstickt, als dann Hertha BSC erschreckend überzeugend in der Allianz Arena eingestampft wurde. Es ist zu befürchten, daß wir eine solche Demonstration der Macht wohl noch häufiger mitansehen müssen.

Kommen wir zur Konkurrenz: Werder Bremen spielt jedes Jahr überwiegend schön, aber eben auch am Limit. Was passiert, wenn nicht alle bei 100% spielen, sehen wir gerade. Die Defensivprobleme, die sich in der letzten Saison abzeichneten, konnten leider nicht abgestellt werden, sondern wurden eher noch verstärkt (Prödl). Dieses Manko werden auch Diego, Pizarro & Co nicht dauerhaft korrigieren können.

Der FC Schalke ist dieses Jahr genauso seelenlos wie all die anderen Jahre zuvor auch. Die nächste Chance auf die Meisterschale gibt es dann in 50 Jahren und wird dann -da verwett‘ ich meinen Allerwertesten- ebenso kläglich nicht genutzt wie 2001. Aber wie damals wird man sich auch dann wieder mit Bezeichnungen wie  „Meister der Herzen“, „Meister der Schmerzen“ oder sonst irgendeinem boulevardesken Gedankenschrott zufrieden geben.

Bayer Leverkusen wird das gleiche Problem haben wie im Vorjahr. In der Hinserie wird mit Kombinationsfußball begeistert. Während Bruno Labbadia sich noch wundert, wieso dieses Team bei so einem Trainer solchen Fußball spielen kann, ist dann in der Rückrunde der Wurm drin und Labbadia arbeitslos.

Beim VFB Stuttgart ist man endgültig auch wieder in der Realität angekommen und man weiß nun auch dort, daß man mit der Meisterschaft sowieso nichts und mit den Champions-League-Plätzen eigentlich auch nichts zu tun hat.

Der HSV, der nicht nur den Abgang von R.v.d.V. scheinbar gut verkraftet hat, sondern auch noch einmal kurz vor Toreschluß gut auf dem Transfermarkt zugeschlagen hat, wird wohl im Kampf um Platz zwei am Ende die Nase vorn haben.

Danach kommen dann die Mannschaften, die man traditionell als Bewerber um die Uefa-Cup-Plätze sieht. Lustig an dieser Bezeichnung ist, daß diese Mannschaften am Ende voraussichtlich nichts mit dem Uefa-Cup zu tun haben, da diese Plätze aufgrund der jüngsten herausragenden Leistungen der deutschen Vertreter im Internationalen Geschäft erstens immer weniger werden und zweitens immer weiter oben anfangen. Dortmund könnte es dennoch schaffen. Der BVB kann das Überraschungsteam der Saison werden. Mit Kloppo wurde ein Trainer verpflichtet, der anscheinend wunderbar zum Team paßt. Unangenehm weit oben könnte auch der VFL Wolfsburg landen, da Felix Magath dort wie damals in Stuttgart als Manager nach englischem Vorbild agieren kann. Und das kann er ziemlich gut.

Gerade ich als Berliner hoffe natürlich, daß die Hertha nach einem vielversprechenden Start (abgesehen vom Bayern-Spiel!!) den Sprung aus dem Niemandsland der Liga schafft und um Platz 5 mitkämpfen kann. Apropos Niemandsland: Dorthin wird Eintracht Frankfurt zurückfallen und auf Hannover und Hoffenheim treffen.

Danach beginnt der Abstiegskampf. Wenn der KSC von Anfang an begreift, daß die Erfolgsgaranten der letzten überragenden Saison nicht adäquat ersetzt werden konnten, und man daher definitiv kämpfen muß, um die Klasse zu halten, werden die Karlsruher die besten Karten im Abstiegskampf haben. Auf Platz 17 und 18 sehe ich Bochum und Cottbus. In Bochum hat es sich ausgekollert und in der Lausitz wird dieses Jahr nicht einmal mehr ein Trainerwechsel helfen. Um den Relegationsplatz 16 streiten sich somit Köln, Gladbach und Bielefeld, wobei ich Köln und Gladbach ein weiteres Jahr 1. Liga gönnen würde. Bielefeld würde sich in einer Relegation wohl durchsetzen und leider wieder nicht absteigen. Jedes Jahr hoffe ich -ja, bete ich- doch die bleiben immer wieder drin.

Ehe Bielefeld absteigt, setzt sich vermutlich eher Oliver Kahn als Buddha in die Lobby in der Säbener Straße 51…

– Jürgen Hanuta

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